Eine aktuelle Netzwerk-Metaanalyse von Li et al. in Frontiers in Oncology 1 liefert erstmals eine systematische Rangfolge verschiedener Bewegungsformen für Männer mit Prostatakarzinom unter Androgendeprivationstherapie (ADT) – eine hochrelevante Fragestellung für die onkologische Rehabilitation.
Die Hormontherapie ist bei metastasiertem Prostatakrebs Standard, geht aber mit erheblichen Nebenwirkungen einher: Muskelabbau, Fettzunahme, Kraftverlust, Fatigue und eine spürbar eingeschränkte gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL). Bewegungstherapie gilt seit Längerem als wirksame Gegenmaßnahme – unklar war bislang, welche Trainingsform am besten wirkt.
Die Studie
Ausgewertet wurden 41 randomisiert-kontrollierte Studien mit 3.588 Teilnehmern. Verglichen wurden Ausdauertraining (AE), Krafttraining (RE), die Kombination aus beidem (AE+RE), hochintensives Intervalltraining (HIIT) sowie niedrig-/moderatintensive Bewegungsformen wie Tai Chi oder Qigong (LMI).
Kernbotschaften
- Kombiniertes Ausdauer-Kraft-Training (AE+RE) ist der Goldstandard für die Lebensqualität. Bei der krankheitsspezifischen Skala FACT‑P zeigte AE+RE den stärksten und einzig statistisch signifikanten Effekt gegenüber der Kontrollgruppe.
- Krafttraining ist unschlagbar für Muskulatur und Kraft. RE führte zum größten Zugewinn an Muskelmasse sowie zur deutlichsten Verbesserung der Kraft in Armen und – besonders ausgeprägt – in den Beinen, was für Mobilität und Sturzprävention entscheidend ist.
- Ausdauertraining wirkt am stärksten gegen Fettzunahme, während die Kombination aus HIIT und Krafttraining den Körperfettanteil am effektivsten senkte.
- Für die Ausdauerleistung (6‑Minuten-Gehtest) war AE+RE führend, einzelne Trainingsformen allein zeigten hier schwächere Effekte.
- Bei starker Fatigue schnitt niedrig- bis moderatintensive Bewegung (Tai Chi, Qigong) tendenziell am besten ab – ein niedrigschwelliger Einstieg für stark erschöpfte Patienten, auch wenn die Unterschiede zu anderen Formen statistisch nicht signifikant waren.
Praktische Konsequenz
Die Autor:innen empfehlen ein kombiniertes Ausdauer-Kraft-Programm als Standardempfehlung für die meisten ADT-Patienten (2–3 Einheiten/Woche, Ausdauer bei 65–80 % der maximalen Herzfrequenz, Krafttraining bei 60–85 % des 1‑Wiederholungsmaximums). Die konkrete Ausgestaltung sollte individualisiert erfolgen: mehr Kraftanteil bei ausgeprägtem Muskelverlust, mehr Ausdaueranteil bei Übergewicht, sanfter Einstieg bei starker Fatigue.
Die Datenlage bestätigt, was in der onkologischen Rehabilitation zunehmend gelebte Praxis ist: Bewegung ist keine optionale Ergänzung, sondern integraler Bestandteil der Behandlung unter ADT. Limitationen der Arbeit sind die erhebliche Heterogenität der Trainingsprotokolle sowie das Fehlen belastbarer Langzeitdaten zu kardiovaskulären Endpunkten und Frakturrisiko – hier besteht weiterer Forschungsbedarf.
Quellen und Anmerkungen:
- Quelle: Li W, Huang X, Huang X, Shi Y, Wang F, Pu L, He M, Tan H. The impact of different exercise modalities on health-related quality of life in patients with prostate cancer undergoing androgen deprivation therapy: a systematic review and network meta-analysis. Front Oncol. 2026;16:1821735. doi: 10.3389/fonc.2026.1821735↩


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