Die AGORS unterstützt das Positionspapier des AKOR der DGHO
Der Arbeitskreis Onkologische Rehabilitation (AKOR) der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) hat ein Positionspapier zur Bedeutung der onkologischen Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung (AHB) in der Tertiärprävention von Tumorerkrankungen erarbeitet. Es wurde dem Vorstand der DGHO vorgelegt und ist nun in der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO (Band 23) erschienen. Autoren sind Georgia Schilling (Asklepios Nordseeklinik Westerland/Sylt), Imke Strohscheer (Deutsche Rentenversicherung Nord) und Mario Schubert (MEDICLIN Kraichgau-Klinik, Bad Rappenau). Die AGORS hat sich den Forderungen des AKOR vollumfänglich angeschlossen.
Ausgangslage: Eine Versorgungslücke
Jährlich erkranken mehr als 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Demgegenüber stehen rund 124.000 von der Deutschen Rentenversicherung erbrachte onkologische Reha-Leistungen, trotz eines Zuwachses von etwa 5% gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn nicht alle Betroffenen rehafähig oder ‑bedürftig sind, deutet dieses Missverhältnis auf Zugangsbarrieren und fehlende Kenntnisse über die Wirksamkeit von Rehabilitation hin.
Der „teachable moment“
Die Reha ist die dritte Versorgungssäule neben stationärer und ambulanter Tumormedizin und der Beginn von Nachsorge und „Cancer Survivorship“. Nach Abschluss der Akuttherapie haben viele Betroffene erstmals Zeit und Raum, über ihre Erkrankung und mögliche Risikofaktoren nachzudenken. Die Motivation für Lebensstiländerungen wie regelmäßige Bewegung, Nikotinkarenz, weniger Alkohol, Gewichtsreduktion oder Stressbewältigung ist dann oft besonders hoch. Dieses Zeitfenster sollte systematisch genutzt werden, auch für die Anbindung an Reha-Nachsorge (IRENA, T‑RENA, Rehabilitationssport), wohnortnahe Bewegungsangebote, psychoonkologische und sozialrechtliche Beratung sowie individuelle Nachsorgepläne. Digitale Angebote können Adhärenz und Nachhaltigkeit zusätzlich unterstützen.
Evidenz für Bewegung
Das Papier verweist unter anderem auf die internationalen Bewegungsempfehlungen für Cancer Survivors (2019) und eine aktuelle Metaanalyse, nach der höhere Muskelkraft und kardiorespiratorische Fitness mit geringerer Gesamt- und krebsspezifischer Mortalität assoziiert sind. Besonders relevant ist die CHALLENGE-Studie beim Kolonkarzinom: Ein dreijähriges strukturiertes Trainingsprogramm war mit einem signifikant verlängerten krankheitsfreien und Gesamtüberleben verbunden, das Rezidivrisiko sank um etwa 30 %. Zudem lag der Schlüssel zu langfristiger Adhärenz in der konsequenten Umsetzung in den ersten sechs Monaten.
Die sechs Forderungen
- Verbesserung der Inanspruchnahme onkologischer Rehabilitation und AHB, unter anderem durch Abbau von Informationsdefiziten und organisatorischen Hürden
- Systematisches Reha-Screening und verbindliche Reha-Beratung in allen onkologischen Versorgungseinrichtungen
- Verankerung der Reha-Strukturen in Zertifizierungsvorgaben für onkologische Zentren und in onkologischen Leitlinien
- Entwicklung strukturierter Trainings- und Nachsorgeprogramme sowie Erfassung von Lebensstil und Risikofaktoren in der Tumornachsorge
- Stärkung der gesundheitsökonomischen Perspektive: Reha und Reha-Nachsorge als investive, wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen
- Politische und gesellschaftliche Priorisierung der onkologischen Rehabilitation als integraler Bestandteil von Versorgung und Tertiärprävention
Warum die AGORS die Forderungen mitträgt
Als Arbeitsgemeinschaft für onkologische Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft setzt sich die AGORS seit jeher für den gleichberechtigten Zugang zu Rehabilitation ein. Die Forderungen des AKOR decken sich mit diesem Anliegen. Die AGORS wird sich weiter dafür einsetzen, dass die onkologische Reha in Versorgung, Leitlinien und Gesundheitspolitik den Stellenwert erhält, der ihr angesichts der Evidenz zukommt.


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