Vom 15. bis 17. April 2019 fand im Maritim Hotel Berlin das 28. Rehabilitationswissenschaftliche Kolloquium statt, erstmals gemeinsam mit dem 15. Kongress des European Forum for Research in Rehabilitation (EFRR). Unter dem Motto „Rehabilitation – Shaping healthcare for the future“ kamen über 1.500 Fachleute aus 22 Ländern zusammen. Das Reha-Kolloquium lief auf Deutsch, der EFRR-Kongress auf Englisch, die Plenar- und Rahmenveranstaltungen waren gemeinsam. Ausgerichtet wurde der Kongress von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der DRV Berlin-Brandenburg und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW).
DRV-Präsidentin Gundula Roßbach betonte in ihrer Eröffnung, dass wirksame Methoden aus dem europäischen Erfahrungsaustausch schnell in die Routine gelangen sollen. Sylvia Dünn (DRV Berlin-Brandenburg) forderte eine stärkere Arbeitsplatzorientierung der Reha und einen Rechtsrahmen für längerfristige Unterstützung bei Stay-at-Work und Return-to-Work. Prof. Christoph Gutenbrunner (MHH) bezeichnete die Rehabilitation im Plenarvortrag als wichtigste Gesundheitsstrategie des 21. Jahrhunderts. Sie müsse in allen Versorgungsbereichen und Behandlungsphasen zugänglich sein.
Das Programm umfasste über 200 Vorträge und 75 Poster, unter anderem zu Return-to-Work, internetbasierten Interventionen, Qualitätssicherung, sozialmedizinischer Begutachtung, Reha-Zugang und Nachsorge. Weitere Plenarthemen waren Digitalisierung und Robotik.
Onkologische Rehabilitation – Möglichkeiten und Grenzen
Im DGRW-Update zur onkologischen Rehabilitation beschrieb Ulrike Seifart (DRV Hessen), dass weltweit etwa 60 % aller Krebspatienten durch moderne Therapien geheilt werden. Diese Patienten seien „vom Krebs geheilt, aber nicht gesund“. Langzeitnebenwirkungen, Fatigue, Rezidivängste und soziale Einschränkungen machten die Reha zur einzigen multimodalen Option der onkologischen Versorgungskette. Besonders hob sie die Rückkehr in den Beruf hervor: Bis zu 53 % der Krebspatienten verlieren innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose ihren Arbeitsplatz oder geben ihre Tätigkeit auf. Als Herausforderungen nannte sie die geringe Inanspruchnahme (nur etwa 30 % der Patienten) und den schlechteren Allgemeinzustand der Rehabilitanden bei Aufnahme. Hinzu kommen die langfristigen, molekular gezielten Therapien, die künftig auch in der Reha fortgeführt werden müssen.
Medizinisch-beruflich orientierte Reha bei Krebs: Wirksamkeit auf dem Prüfstand
Die Arbeitsgruppe um Daniela Fauser, Jürgen Wienert und Matthias Bethge (Universität zu Lübeck) stellte beim EFRR-Kongress Ergebnisse der ersten cluster-randomisierten Multicenterstudie zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) in der Onkologie vor. 484 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahren aus vier Reha-Zentren erhielten entweder MBOR oder eine konventionelle Rehabilitation. Zwölf Monate nach der Reha fand sich kein signifikanter Unterschied bei der Rollenfunktion, der Lebensqualität oder der Rückkehr in Arbeit (72 % in der MBOR-Gruppe, 75 % in der Kontrollgruppe). Kurzfristig, also zum Reha-Ende und nach drei Monaten, zeigten sich jedoch Effekte. Ein ergänzender Beitrag derselben Gruppe belegt, dass sich das Risiko einer Nicht-Rückkehr mit dem Screening-Instrument SIBAR vorhersagen lässt. Das unterstreicht, wie wichtig eine gezielte Zuweisung zur MBOR ist.
Ein mit dem zweiten Posterpreis ausgezeichneter Beitrag wertete zudem Daten von 5.800 Brustkrebspatientinnen aus. Patientinnen im Antragsverfahren hatten demnach häufiger chronische therapiebedingte Folgestörungen als Patientinnen in der Anschlussrehabilitation.


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