Das 29. Rehabilitationswissenschaftliche Kolloquium sollte vom 2. bis 4. März 2020 in Hannover stattfinden, unter dem Motto „Prävention und Rehabilitation – der Betrieb als Partner“. Veranstalter waren die Deutsche Rentenversicherung Bund, die DRV Braunschweig-Hannover und die Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW). Erwartet wurden über 1.600 Fachleute. Im Mittelpunkt sollten die Arbeitswelt im demografischen und digitalen Wandel („Arbeit 4.0“), die Gesundheitserhaltung in Betrieben und die Schnittstelle zwischen Stay-at-Work und Return-to-Work stehen.
Am 28. Februar 2020, wenige Tage vor Beginn, sagten die Veranstalter den Kongress „nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung sämtlicher Risiken im Hinblick auf die Verbreitung des Corona-Virus“ ab. Ausschlaggebend war die Sorge, dass Teilnehmende aus Rehabilitationskliniken das Virus auf Patienten übertragen könnten. Das Kolloquium gehörte zu den ersten Großveranstaltungen in Hannover, die wegen der Pandemie ausfielen. Die eingereichten Abstracts wurden dennoch im Tagungsband (DRV-Schriften Band 120) veröffentlicht.
Wirksamkeit der onkologischen Rehabilitation: Metaanalyse zeigt vor allem kurzfristige Effekte
Katharina Dietzel und Kolleginnen (Universität Ulm) werteten in einem systematischen Review mit Metaanalysen die Studien von 2012 bis 2019 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur multidimensionalen Reha bei Brust‑, Prostata- und Darmkrebs aus. Von 1.210 Treffern gingen 12 Studien in die Synthese und 10 in die Metaanalysen ein. Vom Reha-Beginn bis zum Reha-Ende zeigten sich moderate bis starke Effekte, etwa bei der globalen Lebensqualität (SMD 0,73), der Fatigue (0,76), der emotionalen Lebensqualität (0,77) sowie bei Angst (0,49) und Depression (0,56). Im Follow-up lagen die Effekte teils um null, teils im negativen Bereich. Der Ausgangswert wurde in keiner Studie wieder erreicht. Die Autorinnen weisen auf das überwiegend hohe Verzerrungsrisiko der Studien hin und sehen die Rehabilitationsnachsorge als dringlich an, um die Effekte zu erhalten.
Warum kommen so wenige Patienten in die Reha? Die Sicht der Experten
Die Freiburger Arbeitsgruppe um Carolin Dresch, Joachim Weis und Hans Helge Bartsch untersuchte die Gründe für die stagnierenden bis rückläufigen Antragszahlen in der onkologischen Rehabilitation. Grundlage waren 61 Experteninterviews, auf denen ein Online-Fragebogen mit 68 Items aufbaute. 606 Fachleute nahmen teil, darunter 249 Ärzte, 194 Sozialarbeiter, 105 MFA bzw. Pflegekräfte und 55 Psychologen. Als größte Einzelhürden bewerteten sie die schwierige Vermittlung multimorbider Patienten, das für Menschen mit Migrationshintergrund schwer verständliche Antragsverfahren und die zu starre AHB-Frist. Die Faktorenanalyse ergab sieben Barrierenbereiche, wobei die Krankheitsverarbeitung der Patienten die größte Barriere darstellte (Wunsch nach Normalität, Überzeugung, sich anderweitig besser zu erholen, Sorge vor Belastung durch andere Patienten). Die Autoren leiten daraus ab: AHB-Frist flexibilisieren, die Antragstellung vereinfachen (z. B. elektronisch), Unterlagen in mehreren Sprachen anbieten, ambulante Angebote ausbauen und Patienten besser über die Inhalte der Reha aufklären.


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